Verdienst kommt von verdienen

Mindestlohn und Friseure – Verdienst kommt von verdienen!

Haarchitekt Christian Funk schreibt bei Friseur-Job.de:

Ja, beim Thema Mindestlohn kommt mir regelmäßig das kalte Grausen. Zumindest im Friseurhandwerk gibt es nichts Sinnloseres als die darüber entbrannte Diskussion. Denn von dem tollen neuen Mindestlohn haben letztendlich meist nur faule und unfähige Friseure etwas.

Aber nun wird er kommen, der Mindestlohn, bringen wird er wenig

Fakt ist, will ich viel verdienen, muss ich es mir erst einmal verdienen! Das ist eine ganz einfache Rechnung. 3.000€ Monatsumsatz reichen für den Mindestlohn ganz einfach nicht aus. Punkt. Ob es Dir gefällt oder nicht.

Denn was glaubst Du, passiert wenn der Mindestlohn gezahlt werden muss? Alle haben dann richtig Knete auf dem Konto? Wohl kaum. Denn 8,50€ sind auch nicht gerade üppig: ca. 1.300€ brutto im Monat. Alle die jetzt schon weniger verdienen, haben es dann nach meiner Meinung, auch nicht anders „verdient“.

Ja sicher, aber durch die höheren Löhne wird sich der Markt bereinigen!

Die Überlegung steht also im Raum, dass viele Discount-Friseure dicht machen oder ihre Preise nun endlich massiv anheben. Hat nun „billig, billiger, am billigsten“ ein Ende?

Vielfach galt wie zum Beispiel auch in Niedersachsen bereits in der Friseur-Branche ein höherer für alle gültiger Tarif. Hat das etwas an der Situation geändert? Eher nein. Die Mitarbeiter müssen demnächst ganz einfach noch schneller, noch mehr oder mit noch unlauteren Mitteln mehr Umsatz generieren. Schaffen sie dies nicht, landen sie ganz einfach, „plumps“ auf der Straße oder noch einfacher: unbezahlte Überstunden, bis die Kasse im Salon stimmt.

Warum arbeiten so viele Friseure bei solchen Seelenverkäufern?

Stellt sich also die Frage, warum sich ich so viele Friseure für mickriges Geld in solchen Salons ausbeuten lassen? Auf der anderen Seite suchen alle Friseurunternehmen nach Verstärkung, aber niemand ist zu finden. Hier wird teilweise offensiv mit überdurchschnittlichen Gehältern geworben. Meistens sind es richtig coole Läden, mit richtig coolen Chefs, die richtig coole Ideen, Einstellungen und auch Konzepte haben. Aber leider keine qualifizierte, coole und engagierte Bewerber, die eben die Gehälter auch verdienen.

Die Jammerlappen jammern lieber rum, anstatt sich ’nen geilen Laden, ’ne geile Arbeit zu suchen und sich zu entwickeln und Qualität zu verkaufen. „Ähh…nööö…da muss ich ja meine Komfortzone verlassen. Da muss ich für mein Geld auch noch gute Arbeit abliefern“ Lieber machen diese Kandidaten ihren Job ohne Lust und Laune, kriegen dafür zwar wenig Kohle, aber dann haben sie ja eine super Möglichkeit ihr Leid zu klagen und dafür zu sorgen, dass das Image der Friseurbranche auch weiterhin auf Talfahrt bleibt.

Den Verdienst verdienen

Nun sollten aber auch alle wissen und verstehen, wie viel von einem Umsatz, der für den Mindestlohn erwirtschaftet werden muss, für den Unternehmer übrig bleibt.

Wir gehen von 40h/Woche aus. Das ergibt ein Bruttogehalt pro Monat von 1.360€. Setzen wir den branchenweit sehr üblichen Faktor* 3,5 darauf an (*Mit dem Faktor wird euer Bruttogehalt multipliziert und dies ergibt euren Sollumsatz)

1.360€ x 3,5 = 4.760€

Eine grobe Rechnung sieht dann so aus:

Umsatz Verdienst Rechnung

Und die meisten Salons zahlen sogar mehr als nur 15% Einkommenssteuer. Für kleine Salons mit kleinen Gewinnen passt dies als Richtwert in unserer Modellrechnung. Selbst bei 10 Mitarbeitern wird hier niemand reich. Die 2.427,70 € hört sich jetzt erst mal reichlich an, aber hiervon muss ja auch noch einiges bezahlt werden. Kammerbeiträge, Berufsgenossenschaft, Steuern und Abgaben, Versicherungen etc.  500-600 € gehen durchschnittlich alleine für die Krankenversicherung drauf. Die Altersvorsorge sollte auch niemand vernachlässigen. Du siehst, da sind 2.500 € ganz schnell weg. Dann müssen eigentlich noch Rücklagen gebildet werden und was zu essen soll vielleicht auch noch auf den Tisch.

Jetzt mal ehrlich: für den ganzen Stress, selbst und ständig, das Risiko und die große Verantwortung sollte man schon einigermaßen von Leben können. Hätte ich solche Mitarbeiter, ich würde sie alle rausschmeißen und nur noch alleine (mit Azubis) arbeiten.

Zum Vergleich: mein persönlicher durchschnittlicher Monatsumsatz liegt bei ca. 7.500 -9.000€.

2.000 € Wunschgehalt

Meine Meinung: ein Handwerker der unter 2.000€ verdient, ist kein Handwerker, sondern ein Hilfsarbeiter. Wer allerdings mehr verdienen will, muss auch die Rechnung dazu verstehen, und warum Verdienst nämlich genau Verdienst heisst.

Also rechnen wir mal dieses „Wunschgehalt“. 2.000€ x 3,5 = 7.000 € Umsatz, davon sollten mindestens 10% Verkaufsumsatz sein, also bleiben 6.300 € für Dienstleistungsumsatz über.

Ja, ich weiß was jetzt kommt „ist der irre? Nie zu schaffen!“ Liebe Leute, hier gehen wir ja auch von ordentlichen und entsprechenden Dienstleistungspreisen aus. Die handwerkliche Qualität ist auf allerhöchstem Niveau und die fachlichen Kompetenzen werden in regelmäßigen Schulungen immer wieder weitergebildet. Solltest Du in einem Billigsalon arbeiten, vergiss es also lieber gleich oder such Dir gefälligst einen vernünftigen Arbeitgeber.

Weiter in unserer Wunschgehaltsrechnung: 6.300 € durch 21 Arbeitstage 300 € Tagesumsatz. Ich denke das ist im Durchschnitt locker zu schaffen. Natürlich wird dies in einem 10€-Salon schwierig, wo alles schnell und ohne zeitraubende Beratung funktionieren muss. Aber, jeder Friseur hat verdammt noch mal die Möglichkeit und auch die Wahl sich in einem „guten“ Salon zu bewerben, sich weiterzubilden und mit simplen Mitteln zusätzliche Umsätze zu erwirtschaften.

Fast jeder Friseursalon hat Stellenangebote

Bedenke: Kein Friseursalon dieser Welt kann es sich leisten, Mitarbeiter mit guten Umsätzen schlecht zu bezahlen. Denn in der Regel wollen wir als Saloninhaber die guten Mitarbeiter ja halten. Die Mitarbeitersituation ist jedoch überall angespannt. Besonders die Salons, die für gute Umsätze gut bezahlen, haben es erstaunlicherweise noch schwerer passende Mitarbeiter zu finden. Warum ist dies so? Da sollte sich jeder Friseur mal an die eigene Nase fassen.

Viele Unternehmer, sind mit den Umsätzen ihrer Mitarbeiter unzufrieden

Da kann ich nur sagen: zum Teil selbst Schuld! Hast Du denn jemals Deinem Salonteam die Umsatzstruktur in Verbindung mit dem Gehalt erklärt? Ich kann nur erreichen und übertreffen, was ich auch verstehe. Der erste Schritt wäre, Deinem Team diesen Zusammenhang näher zu bringen. Dies ändert schon etwas an der Denkweise.

Bei uns im Geschäft haben wir diese Rechnung auf einem von mir entwickelten Seminar, im gesamten Team verarbeitet und uns gedanklich auf Erfolg gepolt. Das ganze Team hat beschlossen, dass wir es nie wieder dulden werden, dass einzelne Mitarbeiter ihre Leistung dauerhaft nicht erbringen und somit dem gesamten Team schaden.

Kurz darauf wurden die Preise um ca. 10% erhöht, diese Preiserhöhung fließt zu 100% an meine Mitarbeiter und vor allem  an die Azubis.

Die To-Dos im Salon

Wenn Dein Chef Dir nur eine Summe nennt, die Du umzusetzen hast, dann frage ihn nach dem Faktor für den Sollumsatz. Überleg Dir Dein „Wunschgehalt“ und plane hierfür die dafür notwendigen Umsatzziele. Mit diesen Zahlen hast Du einen handfesten und messbaren Verhandlungsfaktor mit dem Du ein höheres Gehalt verhandeln kannst.

Als Saloninhaber ist es wichtig Deinen Mitarbeitern zu erklären, wie viel Du an der Dienstleistung wirklich verdienst. Denn wie oben gesehen bleiben nach Abzug aller Kosten nur ca. 5% Gewinn und das müssen sie wissen. Eine Idee: Vielleicht redest Du nicht mehr über Mindestumsatz, sondern erklärst ihnen, dass sie einfach zu wenig verdienen. Mehr Umsatz, mehr Verdienst.

christian-funkMein Fazit: Hör endlich auf zu jammern! Jeder hat es selbst in der Hand. Such Dir einen geilen Friseur-Salon und mit einem coolen Chef und dann bekommst Du auch das, was Du verdienst. Und „geiler Friseursalon“ heisst nicht sauteuer, aber vernünftige Preise müssen aufgerufen werden. Hab Spaß, begeistere Dich, Deine Kunden und Kollegen. Erfolg macht Spaß, Erfolg macht sexy und Geld macht auch glücklich(er)! Viel Erfolg!

Friseurmeister
Christian Funk


Weitere Informationen zu Christian Funk:

10 Fragen an Christian Funk

Bildquellen: © gunnar3000 – photodune.net



Kommentare zum Beitrag "Mindestlohn und Friseure – Verdienst kommt von verdienen!":