Rene Asch

Wenn man als Profi wahrgenommen wird, dann wird man auch als Profi bezahlt

Interview mit René Asch über Fachkräftemangel in der Friseur-Branche

Das Thema Fachkräftemangel ist aktuell ein großes Thema in der Friseur-Branche. War das schon immer so, wie hat sich das in den letzten Jahren entwickelt und welche Gründe gibt es dafür?

Wir hatten schon öfter solche Szenarien erlebt. Im Moment ist wohl tatsächlich der demographische Wandel das Problem. Wir haben weniger junge Leute, für die das Handwerk attraktiv ist. Die Leute wollen studieren, das ist ja auch so gewollt von der Regierung, denn wir brauchen für unsere Arbeitswelt in Zukunft eine große Menge von Akademikern und höchst qualifizierten Menschen. Im Moment fangen die Banken und die Versicherungen wieder an, Leute mit mittlerer Reife einzustellen, da sie die Abiturienten nicht mehr bekommen. Das ist mit Sicherheit regional sehr unterschiedlich. Wir sind hier in Stuttgart in einer ganz anderen Situation, wie jemand im Osten oder in anderen Ballungszentren.

Viele Friseure klagen über ihr Gehalt. Ist man es selbst Schuld, wenn man in einem Salon arbeitet, der Billiglöhne anbietet?

Ganz pauschal mit Sicherheit nicht. Es gibt mit Bestimmtheit Gebiete, die wirtschaftlich ganz anders aufgestellt sind, die neuen Bundesländer zum Beispiel, in Randgebieten zu Polen oder zu Tschechien. Da, wo die Leute über die Grenze fahren zum Haare schneiden, weil es ihnen hier zu teuer ist. Aber symptomatisch ist gerade die junge Frau, die das geschrieben hat. [siehe Artikel: Ein Haarschnitt ist mehr als 12 € wert]. Das war ja alles gut gemeint. Aber sie ist in Dortmund, also im Großstädtischen Umfeld. Es gibt jede Menge hochklassige und höherpreisige Friseure dort. Die Kollegin hat einen respektablen Gesellenbrief mit der Note 2,1. Wenn sie irgendwo für 9 Euro arbeitet, dann ist sie definitiv selber schuld.

Ich denke einfach, dass bei dem Fachkräftemangel, den wir in der Branche allgemein haben, es für jeden gut Ausgebildeten genügend Möglichkeiten gibt einen Job jenseits des Mindestlohns zu finden. Es geht ja schon mal damit los, wie man sich selbst darstellt. Wie man aus dem Statement der jungen Frau lesen konnte:

”Wir sind die Händchenhalter, wir sind die Versteher, ja, wir sind die Psychologen, wir sind das und wir sind jenes”

Und das ist einfach eine falsche Selbstdarstellung unseres Berufes. Solange wir uns selbst so darstellen und dafür aus der Branche heraus auch, wie man dort gesehen hat, sehr viel Applaus bekommt brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir von den Kunden nicht als Profis ernst genommen werden. Und natürlich auch nicht als Profi bezahlt werden. Wir müssen doch den Leuten viel eher sagen, pass mal auf, wir können nicht nur perfekt Haare schneiden, perfekt Haare färben, wir haben auch Ahnung von Physiologie, wir haben Ahnung von Formenlehre, wir haben Ahnung von Proportionslehre, wir haben Ahnung von Farblehre. Das ist aber noch lange nicht alles, wir sind hochgradige Profis, wir verstehen die Inhaltsstoffe unserer Produkte, wir können komplexe Haar- und Hautprobleme lösen, wir sind Experten und dein Partner für tolles Aussehen. Wenn wir uns so darstellen, dann müssen wir uns doch auch nicht noch die Lebensgeschichte anhören, die wir eigentlich gar nicht hören wollen. Wenn man als Profi wahrgenommen wird, dann wird man auch als Profi bezahlt.

Das heißt bei vielen Friseure mangelt es daran, sich überhaupt richtig selbst darstellen zu können?

Ja, wenn die Darstellung eben auf der Schiene läuft: wir sind, wie wir sind, wir sind die Tröster und die Händchenhalter, die Hobbypsychologen für unsere Kunden, was gebe ich denn da für ein Bild ab nach außen? Das ist unprofessionell. Das ist zwar lieb und emphatisch gemeint, führt aber dazu, dass sich die Leute in ihrer Komfortzone niederlassen können und auch selber gar keinen professionellen Standard erreichen wollen. Nicht umsonst gibt es die nette Umschreibung für belangloses Geschwätz :”erzähls deinem Friseur”.

Wie kann man qualifizierte und motivierte Mitarbeiter erkennen? Lässt sich das an einem Haarschnitt ausmachen?

Nein, an einem Haarschnitt kann man es nicht sehen. Aber es gibt immer Mindeststandards, die jeder Betrieb für sich alleine definieren muss. Es kommt auch ganz darauf an, welches Klientel und Preisniveau ein Salon hat. Um jetzt zum Beispiel diesen ominösen 60 Euro Haarschnitt zu nennen, da reicht es nicht nur, Haare schneiden zu können, da muss ich ganz andere Fähigkeiten haben. Ich muss kommunikative Fähigkeiten haben, um meine Kundin richtig beraten zu können, mich auskennen in Proportionslehre und Farblehre, ich muß visualisieren können, damit die Kundin versteht was ich ihr sagen möchte, das muss alles einfach da sein. Und Ich muss auch kommunizieren können in der Beratung mit dem Kunden. Wenn das Nonplusultra der Kundenwunsch ist, ist das eine bequeme Komfortzone. Ich mache das, was die Kundin will, fertig aus. Manchmal auch gegen besseres Wissen, Hauptsache, die Kohle ist in der Kasse.

Ich habe es oft genug erlebt in meiner Tätigkeit als Schulungsleiter bei Haarschneideseminaren. Wenn man mit Leuten über Beratung gesprochen hat, wie berate ich Kunden, dann hört man immer wieder…

  • das darf ich nicht, ich darf doch der Kundin nicht widersprechen,
  • da kriege ich Schwierigkeiten, um Gottes willen.

Das heißt, es wird einfach bequemerweise das gemacht, was die Kundin will. Mehr oder weniger, und diese Dinge, die man eigentlich wissen und können sollte, die gibt es oft gar nicht. Erschreckend, wie viele Kursteilnehmer nicht in der Lage waren, ”ein Gesicht zu lesen”, Formen und Proportionen zu erkennen. Das heißt, viel zu viele Friseure lassen sich ihren Job von der Kundin erklären.

Das heißt, es wird einfach nur ausgeführt, was der Kunde sagt? Nach dem Motto der Kunde ist König? Warum ist das so?

Ja, ganz genau. Es ist der bequemste Weg ist und viele Chefs möchten das auch so haben. Der Haarschnitt selber ist ja nur Mittel zum Zweck. Der Job eigentlich ist, eine Frau/Mann schöner zu machen. Und wenn ich die Kompetenz, das Wissen und das Können habe, dann bin ich eigentlich der, der bestimmen muss. “To rule truly is to serve”, aufrichtig bestimmen ist dienen. Nicht gegen den Willen der Kunden, um Gottes willen, aber um zu überzeugen muss ich die o.A. Fähigkeiten haben.

Das setzt aber Selbstvertrauen und Beratungskompetenz voraus und das muss man ja auch erstmal lernen. Bildet Ihr in eurem Salon aus und wieviele Azubis habt Ihr aktuell?

Nur drei momentan, das ist das allererste Jahr, in 30 Jahren, dass ich keinen Lehrling eingestellt habe.

Weil es keine gab oder einfach weil es schwierig war?

Es gab Bewerber. Wir hatten vor fünf Jahren im Schnitt 80-90 Bewerbungen im Jahr. Heute haben wir vielleicht noch sieben oder acht. Und die waren allesamt so, dass ich mir gesagt habe, das tue ich mir nicht an.

Welche Eigenschaften und Voraussetzungen sollte denn ein Lehrling mitbringen? Denn es scheint ja zu mangeln?

Viele kommen ja direkt von der Schule. Dann ist da einfach ein seltsames Selbstverständnis da, was Leistung angeht, vor allem eigenverantwortliches Handeln vermisse ich. Das kommt nur noch selten vor. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit scheinen ein zunehmendes Problem zu sein

Das heißt, auch für einen hochwertigen Salon in Stuttgart ist es schwierig geeigneten Nachwuchs zu finden?

Also, ich habe Kollegen, die haben seit Jahren keine Bewerbung mehr gesehen. Die kriegen gar keine mehr.

Heißt das, Ihr setzt jetzt in Zukunft auch dann eher nicht auf Ausbildung oder was tut Ihr dagegen? Was ist der Weg?

Wir werden uns natürlich nach wie vor um Auszubildende bemühen Ganz klar. Aber ich mache einfach keine Kompromisse mehr. Ich möchte einfach unsere Zeit -und Energieressourcen nicht verschwenden mit Menschen, die es nicht verstehen mögen. Ich bringe das immer auf einen ganz einfachen Punkt:

“wer in unserer Branche erfolgreich sein will, der ist entweder verdammt talentiert oder verdammt fleißig, am besten beides.”

Man kann ja viel mangelndes Talent mit Fleiß und Disziplin ausgleichen. Das funktioniert schon. Der Fleiß, der Willen und die Faszination für den Job muss eben dann da sein…und die Komfortzone verlassen können ist wichtig, am Besten aus eigenem Antrieb.

Die Menschen müssten einfach mehr Verantwortung für ihr Leben übernehmen und aufhören zu meckern? Wer gut ist, der muss sich einfach auch nach den guten Salons umschauen mit dem entsprechenden Niveau?

Ja, es gibt ja immer dieses berühmte “ich werde nicht motiviert.” Das ist schon völlig falsch. Ich bin ein ganz großer Anhänger von Dr. Sprenger. Er hat viele schlaue Bücher geschrieben, wie zum Beispiel über Mythos Motivation und das Prinzip des selbstverantwortlichen Handelns. Er ist ein Motivationstrainer, der aber nicht aus der Wirtschaft kommt, sondern aus der Psychologie und darum hat er einen komplett anderen Ansatz. Der beweist, dass Motivation nicht fremdsteuerbar ist. Sie können als Chef im Prinzip nur den Spielplatz bereiten, auf dem die Mitarbeiter ihre Motivation ausleben können. Die Motivation muss er schon mitbringen.

Bei uns gibt es zum Beispiel keine Übungsabende, wir machen das Training während der Arbeitszeit. Die Azubis haben die Möglichkeit, zusätzlich zum Modeltraining täglich während der Arbeitszeit Modelle zu machen. Und die kriegen sie es nicht mal fertig, einmal pro Woche das Trainingsmodel zu besorgen. Normalerweise müsste man doch heiß darauf sein, auf jeden Haarschnitt, den man machen kann. Und das fehlt einfach, es fehlt komplett. Das Anspruchsdenken, was viele Kids heute haben, dieses Vollkaskodenken, dass immer alle anderen für das eigene Wohl sorgen müssen, nur man selber nicht, das ist schon sehr ausgeprägt. Eigenverantwortlich handeln, das lernen viele junge Menschen weder zu Hause noch in der Schule.

Klar, es gibt natürlich auch die tollen, motivierten, leistungsbereiten jungen Menschen, die ihre Ausbildung energetisch und neugierig angehen, die wir erfolgreich ausbilden und übernehmen können. Jedoch die Tendenz ist deutlich. In Stuttgart sind im letzten Jahr bei der Gesellenprüfung über 30% der Prüflinge durchgefallen. Und das liegt nicht daran, dass die Ausbildungen so schlecht ist. Die Betriebe, die heute noch Auszubildende haben, dass sind die guten Betriebe die ordentlich ausbilden können.

Wir von Friseur-job.de wurden dafür kritisiert, dass wir die Meinung der Friseurin publiziert haben, weil es auch ja eher dazu beiträgt, dass dann in der Wahrnehmung der Menschen die Branche eben noch einen schlechteren Ruf bekommt. Wie sehen Sie das?

Natürlich, das stimmt doch alles nicht. Ich meine, einer wie der geschätzte Kollege Hagemann aus Bonn, der bezahlt bei 12.000 Euro Umsatz 3.000, 4.000 Euro Gehalt. Viele gute Kollegen machen das inzwischen auch. Und dann rechnet man da noch dazu, was man an Trinkgeld bekommt, dann glaube ich nicht, dass man in anderen Berufen, die in Frage gekommen wären, mehr verdienen könnte.

In der Tat. Vielen Friseuren geht es nicht schlecht. Vor allem natürlich den Etablierten und natürlich den Guten. Das ist das Eine. Auf der anderen Seite sind da natürlich die jungen Leute. Es gibt auch die anderen, natürlich. Aber kein Mensch wird gezwungen, für 9 Euro die Stunde zu arbeiten.

Keine Friseur muss für 9 Euro arbeiten

Wie ist das denn mit den Billigfriseuren? Braucht man die oder braucht man die gar nicht?

Natürlich braucht man die, das ist doch gar keine Frage. Nicht jeder kann sich ein Haarschnitt für 60 Euro leisten. Aber letztendlich kostet in Deutschland eine Arbeitsminute mindestens einen Euro, eher mehr. Wer das nicht hat, der arbeitet im Kreis rum. Aber wenn der Druck vom Arbeitsmarkt kommt, wenn junge Menschen, die gut sind, sagen, für das Geld arbeite ich nicht, dann werden die Unternehmer automatisch gezwungen, die Preise anzuheben. Im Moment haben doch die jungen Menschen, die in unsere Branche kommen doch tatsächlich die Macht und begreifen es nicht.

Und die Gewerkschaften werden ihnen dabei nicht helfen. Wir haben in Baden-Württemberg Verdi jahrelang angebettelt, um einen Tarifvertrag. Wir wollten einen Tarifvertrag haben, die Selbständigen, um damit die schwarzen Schafe rauszukriegen, die Dumpinglöhne bezahlen. Da war die Gewerkschaft gar nicht dran interessiert. Weil das alles Kleinbetriebe sind, können sie keine Betriebsräte installieren, da können sie keine Gewerkschaftspolitik machen. Deshalb interessiert die das überhaupt nicht. Das heißt, die Gewerkschaften werden den Leuten nicht helfen in unserer Branche. Das müssen die schon selber tun.

Es ist nicht schwer, die Möglichkeiten der Weiterbildung sind so groß und vielfältig, gerade im Internet. Da gibt es so viele tolle Möglichkeiten, die nichts kosten. Und wenn man eigenverantwortlich handelt und sich weiterbildet und wirklich gut ist, dann hat man es nicht nötig unter Niveau zu arbeiten. Eigene Initiative vorausgesezt! Dann kann man jedem Chef selbstbewusst sagen, für 9 Euro arbeite ich nicht. Und die Situation, das zeigt sich ja, wird ja für die jungen Leute eigentlich immer positiver. Allerdings wird die Digitalisierung in den nächste 5 Jahren in vielen Branchen viele Arbeitsplätze vernichten. Viele junge Menschen werden sich zukünftig wieder überlegen, eine Karriere im “sicheren” Handwerk anzustreben.

Wie ist die Meinung zu dem Thema: Das Problem der Branche wird ja betitelt mit einem Nachwuchsproblem. Gibt es das?

Also wir sehen, dass Wella, L’Oreal und La Biosthetique ihre Kampagnen für viel, viel Geld machen. Sie versuchen ja auch, den Beruf attraktiv zu machen. So wie eben jetzt auch für den Hair & Beauty Artist. Es wird ja eigentlich sehr schön auch dargestellt und sehr hochwertig dargestellt, was der Job mitbringt. Aber sind das die Lösung, also wird das was ändern oder oder was muss passieren? Ich glaube, das sind Nischenlösungen.

Genau. Was muss passieren? Das sind nur Tropfen auf dem heißen Stein.

Handwerkskammern, die Bildungsministerien, keiner will das, keiner will private Ausbildung, keiner will ein privates duales System, das beweist, wie es besser gehen könnte. Und überall werden die Bemühungen boykottiert, sogar aus den eigenen Reihen der Verbände, weil in Deutschland etwas, das elitär ist, von Grund auf erst mal schlecht ist. Hier herrscht irgendwie so ein Geist, wir bremsen die Guten mal ein bisschen aus, damit sich die Schlechten nicht mehr so schlecht fühlen.

Was heißt es aus Ihrer Sicht? Wird das Problem immer größer werden und die Branche ganz kaputt gehen sogar? Bedeutet das etwa, dass es immer so weitergeht, dann wird noch weniger, noch schlechtere Nachwuchskräfte geben?

Meine persönliche Prognose ist, dass es sich gezwungenermaßen dahin entwickelt, dass die Spitzenkräfte sehr gesucht werden und dass wir so eine zweite Schiene haben müssen, wir müssen so etwas wie den Friseurassistenten installieren. Man kennt das ja aus dem Einzelhandel. Im Einzelhandel machst Du eine zweijährige Ausbildung zum Verkäufer. Dann setzt Du noch ein Jahr drauf, dann bist Du Einzelhandelskaufmann. Oder ein Bachelor- Master Studium, das ist ja genau dasselbe. Man bildet Leute einfach bis zu dem Grad aus, wie man sie tatsächlich braucht und einsetzen kann, oder wo auch ihre Fähigkeiten begrenzt sind. Und ich glaube, dass das die Zukunft sein könnte. Vielleicht auch ähnlich wie im Zahnarztmarkt, dass es einen Zahnarzt gibt und eben den zahnärztlichen Fachangestellten, der dann eben sozusagen ergänzend wirkt. Nebenher läuft.

Der “Beautyassistent“ wird mit allen Aufgaben außer qualifizierter Beratung, Haarschnitt und qualifizierten Farbtechniken betraut und entlastet somit die hochqualifizierten Fachkräfte. Auch im Hinblick darauf, dass die Lehrlinge als Assistenzkräfte fehlen. Ein Auszubildender ist heutzutage ja auch ein Wirtschaftsfaktor in einem Betrieb. Ohne die Assistenzarbeit, die ein Auszubildender umsatzrelevant macht, kann ein Topstylist natürlich auch kein ordentliches Geld verdienen.

Es existiert mit Sicherheit ein ziemlich großes Potential, junger Menschen, die Fähigkeiten zum Topstylist nicht haben oder vielleicht auch nicht die Energie aufbringen wollen, diese Ausbildung zu machen. Dazu kommt natürlich noch, dass es ein Beruf ist, der zu 90 Prozent von Frauen besetzt wird, was dazu führt, dass die Verweildauer in unserem Beruf nach der Ausbildung relativ gering ist. Es ist ja auch ein völliger Wahnsinn, dass wir junge Menschen drei Jahre lang ausbilden, um sie hinterher noch im Durchschnitt zweieinhalb Jahren in den Betrieben zu haben. Verschärft wird die Situation dadurch, dass es zu großer Zahl sehr viele junge Frauen mit Migrationshintergrund sind, die erfahrungsgemäß relativ früh in die Familienplanung einsteigen und danach, wenn überhaupt, oft nur noch als Teilzeitkraft in den Beruf zurückkehren.

Was sind drei Faktoren, die für ein erfolgreich funktionierendes Friseurunternehmen aus Ihrer Sicht die Wichtigsten sind?

In erster Linie ausreichend Personal in ausreichender, diversifizierter Qualifizierung. Das ist Punkt eins. Punkt zwei wird wohl in Zukunft immer mehr das digitale Marketing sein. Und der dritte Punkt, würde ich sagen, die innerbetrieblichen Strukturen. Also, dass die Abläufe qualitätszertifiziert hundertprozentig funktionieren und reproduzierbar sind.

Was macht den Friseurberuf so besonders und warum ist das so ein toller Ausbildungsberuf oder warum sollte man sich für diesen Beruf entscheiden?

Ich mache den Job jetzt schon seit 40 Jahren und habe immer noch jeden Tag Spaß dabei. Es gibt wenig Berufe, bei denen man sich jeden Tag selbst verwirklichen kann und unmittelbare Erfolgserlebnisse haben kann. Aber man ist selber dafür verantwortlich, ob man diesen Spaß hat oder nicht. Konsequenz und Selbstdisziplin sind unmittelbare Voraussetzungen. Jeder hat die Kunden, die er verdient. Ein bisschen mehr Konsequenz an den Tag legen, nicht alles machen, nur, weil der Kunde das Geld bringt, und dann hat man nur noch Kunden, die man mag und freut sich jeden Tag auf den Job. Ganz einfach.

Was war bisher das Schönste/Aufregendste/Bemerkenswerteste, das Ihnen im Friseurberuf passiert ist?

Da gab es so viele Highlights, wir waren sehr aktiv, viele Jahre lang und sind es immer noch. Wir haben viele Shows und viele Fotoshootings in ganz Europa gemacht, den German Hairdressing Award gewonnen und, und, und…Aber das Schönste ist immer noch, wenn eine Kundin einen Kopf größer zum Laden rausgeht, wie sie reingekommen ist.

Uns gibt es seit 30 Jahren und wir sind immer noch in der Lage, jedes Jahr einen Fortschritt zu verzeichnen, moderat, aber mit einem stetigen Wachstum. Und wir sind, glaube ich, die einzigen, die so lange schon am Machen sind in unserer Stadt und von Zeitschriften immer noch angefragt werden. Man gehört immer noch zu den TOP 10. Und das ist uns eine Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation, die so langsam in den Startlöchern steht. Wirtschaftlicher Erfolg und Image sind wichtig, keine Frage, aber die Essenz unseres Berufes ist, Menschen happy zu machen.

Rene Asch Schulungsseminar

Was möchten Sie abschließend noch gerne sagen?

Ich weiß, dass es unterschiedliche Situationen gibt in Deutschland und ich weiß auch, dass es günstige Friseure geben muss. Das ist mir alles klar. Jeder hat es aber selber in der Hand, keiner muss für 9 Euro arbeiten. Jemand, der damit glücklich ist, okay. Aber niemand muss. Der Weg nach oben ist immer offen.

Jetzt trotzdem noch mal gefragt. Was kann man den Leuten sagen, die jetzt vielleicht in der Tat also A) vielleicht nicht in der Großstadt sind oder B) außerhalb und vielleicht auch wirklich von den Fähigkeiten her eben nicht zu den Top Leuten gehören?

Es gibt überall, auch in der Provinz, den schlechten, den normalen, den guten und den besseren Friseur. Das ist schon meine eigene Entscheidung, bei wem ich mich bewerbe. Ich muss halt gut genug sein für den Job. Es reicht eben nicht, “nur” gut Haare schneiden zu können. Es gehört sehr viel mehr dazu heutzutage, eine Top Position zu besetzen. Und was man den ewigen Meckerern vielleicht auch noch mitgeben sollte, es gibt kaum eine Branche, in der es so einfach ist, sich selbstständig zu machen. Man kann einfach losziehen, ein bisschen Mut haben, ein bisschen Verantwortungsbereitschaft zeigen, risikobereit sein, dann kann man sich und der ganzen Welt beweisen, dass man es besser weiss und kann. In den nächsten 5 Jahren wird sich ca. ein viertel aller Friseurbetriebe in Deutschland auf die Suche nach einem Nachfolger machen, wir auch. Es warten tolle Chancen auf die Mutigen. The Sky is the Limit.

Friseur-Job.de bedankt sich bei René Asch für das Interview! Vielen Dank für Ihren Beitrag!

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