Friseurin mit Geldscheinen in der Hosentasche

1 Jahr Mindestlohn für Friseure

Was hat es gebracht?

Der Mindestlohn in Höhe von 8,50€ wurde zum 1.1.2015 in Deutschland für alle Berufsgruppen eingeführt. Für die Friseurbranche gab es bis zum 31.7.2015 noch eine Übergangsregelung mit einem Mindestlohn in Höhe von 8,00€ in den alten Bundesländern und 7,50€ in den neuen Bundesländern. Seit dem 1.8.2015 gilt nun auch für Friseure der bundesweite Mindestlohn von 8,50€. Die vorausgesagten branchenübergreifenden und wirtschaftlich negativen Folgen blieben nach einem Jahr Mindestlohn aus.

Positive Entwicklung des Arbeitsmarktes

Ein nicht ganz ernst gemeintes Sprichwort lautet “Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast”, trotzdem nachfolgend einige Zahlen zum Arbeitsmarkt in Deutschland. Ende des Jahres 2015 lag die Zahl der Arbeitslosen mit 2,63 Millionen so niedrig wie seit fast 25 Jahren nicht mehr. Im Gegensatz zum von vielen befürchteten Abbau von Arbeitsplätzen konnten bis Oktober 2015 sogar 400.000 neue Stellen angeboten werden. Natürlich geht es wirtschaftlich derzeit auch bergauf (gute Konjunktur) und das ist einer der Hauptgründe der positiven Entwicklung. Der Mindestlohn konnte dies auch nicht schmälern und ist also insgesamt gut angekommen.

Preisanstieg wegen des Mindestlohns

Die Arbeitgeber müssen eine Jahr lang schon den Mindestlohn zahlen. Teilweise wurden diese Mehrkosten einfach an die Kunden weitergegeben. Deshalb kam es in einigen Branchen zu Preisanstiegen- laut der Statistik besonders bei Bäcker, Gastgewerbe, Taxi und Friseur. Beim Friseur kletterten die Preise für den Kunden sogar um bis zu 25%. Aber nicht nur im Friseursalon, sondern auch in den anderen Branchen sind diese Preisänderungen gut angenommen worden. Durch die schrittweise Erhöhung des Mindestlohns auf jetzt 8,50€ und auch frühzeitiger, offener Kommunikation des Themas “Mindestlohn” an die Kunden, sind besonders in der Friseurbranche die Preisanpassungen nahezu reibungslos verlaufen.

Mindestlohn gut für Friseure

Der Mindestlohn beschert vielen Friseurinnen und Friseuren ein mehr oder weniger großes Extra beim Gehalt. Sicherlich, müssen noch Steuern und Sozialversicherungsabgaben abgezogen werden, aber in jedem Fall ist mehr Geld auf dem Konto. Diese Entwicklung eines besseren Verdienstes für Friseurinnen und Friseure ist in jedem Fall zu begrüßen. Auch das die Kunden neue, höhere Preise akzeptieren und damit dem Friseurhandwerk endlich eine höhere Wertschätzung entgegenbringen, finden wir alle mehr als überfällig.

Friseurbranche und Mindestlohn im Speziellen

Soviel nun zur Lobhudelei. Zwar bedeutet der Mindestlohn für einige Kolleginnen und Kollegen in jedem Fall mehr Geld, aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Friseurunternehmen haben nun entweder die Preise angehoben, um den Mindestlohn zahlen zu können oder die alten Preise und Margen decken den Mindestlohn nach wie vor mit ab. Beide Fälle finden wir fragwürdig. Im ersteren Falle, dass Friseurinnen und Friseure auf den Mindestlohn und immer noch auf Trinkgelder angewiesen sind, damit sie ihren Lebensunterhalt finanzieren können. Im zweiten Falle, dass Friseurunternehmen mit einer solchen Preisstruktur nicht schon vorher den Mindestlohn gezahlt haben.

Umdenken lautet die Devise

Wir sind davon überzeugt, dass die Friseurbranche anstatt des Mindestlohn ganz andere Dinge dringend benötigt: Ehrgeiz und Qualität. Ganz egal, ob Friseur Dein Berufswunsch ist, Du die Friseurausbildung bereits begonnen hast, Du schon ausgelernte Friseurin oder Friseur bist oder Deinen eigenen Friseursalon betreibst, solltest Du immer Dein Allerbestes geben und die Motivation, ein absoluter Top-Friseur zu werden, nicht verlieren. Sehr gute Friseurinnen und Friseure werden auch sehr gut bezahlt. Der Grundstein für die Qualität des Handwerks wird schon in der Friseurausbildung gelegt. Es beginnt also mit einem guten Ausbildungsbetrieb und hört bei stetiger Fortbildung im Friseurberuf auf. Sehr gute und ehrgeizige Friseurinnen und Friseure brauchen sich über Mindestlöhne keine Gedanken machen.

Imagewechsel für die Friseurbranche

Friseurunternehmer sowie Friseurinnen und Friseure sollten gleichermaßen auf Qualität und solides Handwerk setzen. Denn dann sind auch Kunden wieder bereit, im Friserusalon für eine anspruchsvolle und qualitativ hochwertige Handwerksleistung einen entsprechenden Preis zu zahlen. Friseure können demnach auch ein für ihre Leistung und Arbeit angemessenes Gehalt verdienen. Schwarze Schafe, schlecht geführte oder minderwertige Salons verschwinden vom Markt dann ganz einfach von selbst.

Die leidige Diskussion um den Mindestlohn hat und hatte aber in jedem Fall einen unbestrittenen Vorteil: sie hat in der Öffentlichkeit zu einer breiten Aufmerksamkeit geführt, die mittelfristig ganz sicher auch zu einem Umdenken und einer Wertschätzung des Friseurhandwerks durch den Kunden führt.

Bildquellen: © magraphics – photodune.net



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