Claire Lachky lachend auf dem Friseurstuhl

10 Fragen an Claire Lachky

Claire Lachky betreibt seit dem Jahr 2000 den kultigen Friseur-Salon „VOKUHILA“ im szenigen Kiez von Berlin Prenzlauer Berg. Seit 5 Jahren gehört auch der zweite, etwas kleinere Salon „Vokuhila – Die kleene Schwester“ mit zum Unternehmen. Die Friseurmeisterin mit über 25 Jahren Berufserfahrung betreut mit einem anschaulichen Team von 11 Friseurinnen, Friseuren und Azubis die Kundinnen und Kunden in den beiden Salons.

Wir danken Claire Lachky ganz herzlich, dass sie sich Zeit für die Beantwortung unserer 10 Fragen genommen hat.

Interview mit Claire Lachky

1. Hallo Claire, bitte stelle Dich und Deine „VOKUHILA“-Salons kurz vor.

CL: Im Januar 2000 haben meine damalige Geschäftspartnerin und ich einen alteingesessenen Friseurbetrieb übernommen. Das Geschäft auf der Kastanienallee „erstrahlte“ in einer derart unzeitgemäßen Ausstattung, dass diese auf uns sehr skurril wirkte, aber mit dem Namen VOKUHILA wieder Sinn machte und sich selbst erklärte. Damals waren wir 2 Betreiberinnen mit einer Angestellten für einen Tag in der Woche, heute bin ich alleinige Betreiberin mit 11 Angestellten. Unser Fokus lag und liegt nach wie vor auf einem soliden Handwerk. Da wir aber schnell merkten, dass viele BewerberInnen unseren fachlichen Anforderungen nicht entsprachen, entschlossen wir uns schnell, selbst auszubilden. Momentan arbeiten wir in einem Team unterschiedlichster Charaktere: 5 Meister, 2 Gesellen, 2 Auszubildene und 2 Rezeptionistinnen. Alle haben verstanden, was das Friseurhandwerk an Möglichkeiten bietet und wir alle freuen uns, diese hier kreativ ausleben zu dürfen.

2. Was macht den Friseurberuf so besonders und wieso ist es ein toller Ausbildungsberuf?

CL: Mit einer guten soliden Friseurausbildung, wie es das duale Ausbildungssystem  in Deutschland ermöglicht, kann man überall auf der Welt seine Brötchen verdienen! Der Beruf ist durchweg positiv besetzt. Man macht unmittelbar Menschen glücklich und bekommt in der Regel direkt ein positives Feedback für seine Arbeit. Es gibt viele Möglichkeiten sich zu spezialisieren, im Grunde ist man nie fertig ausgebildet. Es wird nie langweilig!

3. Auch Du bildest in Deinem Friseurbetrieb aus. Welche Eigenschaften sollte ein zukünftiger Friseurlehrling mitbringen?

CL: Für mich zählen nicht unbedingt die Noten auf dem Bewerbungszeugnis, sondern beispielsweise eher die Anzahl der Fehltage. Das gepflegte Erscheinungsbild sollte selbstverständlich sein.

Wer bei uns einen Ausbildungsplatz haben möchte, sollte pünktlich, verlässlich, empathisch und teamfähig sein. BewerberInnen sollten auch den nötige „Biss“ mitbringen, diese Ausbildung mit bestmöglichen Ergebnissen zu absolvieren, auch wenn die Azubi-Tätigkeiten nicht sofort denen eines Top-Stylisten entsprechen.

Vokuhila Team Berlin Gruppenbild

4. Können junge Berufsanfänger diesen Ansprüchen heute gerecht werden oder woran fehlt es dem angehenden Friseurnachwuchs?

CL: Da wir ein relativ kleiner Handwerksbetrieb sind und eine gute Ausbildung immer Geld, Zeit, Kraft und Nerven kostet, halte ich o.g. Voraussetzungen für unverzichtbar. Wir verlangen nichts Übernatürliches, daher sind die Ansprüche an einen Azubi gerechtfertigt. Im späteren Berufsleben werden diese Eigenschaften Vorraussetzung sein, egal in welchem Betrieb man arbeitet.

Häufig kommt bei jungen Menschen die Erkenntnis, dass eine Ausbildung Kraft, Ausdauer und Frustrationstoleranz fordert, erst während der Ausbildung. Da werden Ausbilder mit Verhaltensweisen konfrontiert, die man aus der Schule kennt. Dann müssen wir auch schon mal erzieherisch einwirken, was ja eigentlich nicht unser Job ist. Eine gewisse Reife und Konfliktfähigkeit sollte vorhanden sein. Vielleicht müssten die jungen Schulabgänger besser auf das Beruftsleben vorbereitet werden. Ich denke aber, dies ist nicht nur für unser Branche ein Problem.

5. Insgesamt beklagt die Friseurbranche ein Nachwuchsproblem und Schwierigkeiten geeignetes Personal zu finden. Wie löst Du dieses Problem in Deinen Friseursalons?

CL: Da die Friseurausbildung von vielen Ausbildern und Ausbildungsbetrieben über viele Jahre hinweg schlicht ausgenutzt wurde und nicht in der Form ausgebildet wurde, wie es dieses Handwerk erfordert, gab es sehr viele Abbrecher. Zusätzlich erschwerend für die Attraktivität des Berufes, war die Tatsache, dass in der Diskussion um die Mindestlöhne immer wieder der Friseurberuf als Fallbeispiel angeführt wurde. Fakt ist, die Ausbildungsvergütung im Friseurberuf ist eine der schlechtesten und auch gestandene Friseurgesellinnen und -gesellen in den Ballungszentren/Großstädten dieses Landes haben Schwierigkeiten, mit ihrem Vollzeitgehalt ein Leben zu finanzieren. Ich habe wie jede Unternehmerin nur einen begrenzten Spielraum, was die Entlohnung der MitarbeiterInnen betrifft. Ich biete daher regelmäßige Fortbildungen, Besuche von Fachmessen, Teamtage, zusätzlichen Leistungslohn, individuelle Dienstpläne und Transparenz, um für BewerberInnen und Angestellte attraktiv zu bleiben.

6. Welchen drei Faktoren sind für Dich die wichtigsten für ein erfolgreich funktionierendes Friseurunternehmen?

CL:

  • ein Standort, der ein Klientel generiert, welches sich auf das kreatives Konzept und ein entsprechendes Preisniveau einlässt
  • Personal, welches die Philosophie des Geschäftes lebt und loyal sowie motiviert seinem Tagwerk nachgeht. Also ein gut funktionierendes Team, was sich tagtäglich auf engstem Raum mit Vertrauen, Respekt und Wohlwollen begegnet
  • niemals zu denken, dass es „läuft“. Das wäre der Anfang vom Ende.

7. Wie ist Deine Meinung zum Thema Mindestlohn? Fluch oder Segen?

CL: Der Mindestlohn ist ein Segen für die Branche, kam aber leider viel zu spät. Der Imageschaden den die Friseure jetzt beheben müssen, ist enorm. Vielfach erfährt der Friseurberuf nicht die Wertschätzung, die ihm gebührt. “Es ist zuviel Arbeit für zuwenig Geld” ist oft das schlagende Argument. Daran sind sicherlich auch die schlechten Ergebnisse aus der Vergangenheit Schuld, die durch Lohndumping und entsprechender Demotivation der MitarbeiterInnen zustande kamen. Aufgrund der hohen Lohnnebenkosten wird es aber auch für Unternehmer schwieriger, die Lohnkosten einzuspielen.

8. Du blickst auf mehr als 25 Jahre Berufserfahrung als Friseurin zurück. Wie hat sich die Branche und der Beruf in dieser Zeit verändert?

CL: Früher konnte man sich als Friseurgeschäft mit solidem Kundenstamm auch mal ein Stück „zurücklehnen“. Man hatte verläßliche Partner in der Industrie, es gab allgemein konstantere Geschäftspartner.

Der Markt ist unheimlich schnell geworden. Viele unzufriedene Arbeitnehmer wurden in die Selbständigkeit getrieben und sind als Kleinstunternehmen auffällig stark am Markt vertreten. Die Kleinstgewerbe stellen für mich ein Problem dar, da sie keine Umsatz- und Gewerbesteuer zahlen, was nach aussen für den Kunden ja nicht transparent ist z.B. in der Preisgestaltung. Da man als KleinstunternehmerIn mit einem Jahresgehalt von bis zu 17.500 € abzüglich aller Versicherungen fast auf ALG II Niveau liegt, ist dieses Konstrukt für mich gesetzlich forcierte Schwarzarbeit. Ich kann mir nicht erklären wie man in den Ballungszentren des Landes so seine Kosten decken kann.

Grundsätzlich muss ich nach 16 Jahren Selbständigkeit in der derzeitigen Betriebsgröße feststellen, dass sich mein kreativer Output immer mehr auf die Unternehmensführung als auf die Arbeit am Stuhl fokussiert. Das empfinde ich als unheimliche Zeit/Kraftaufwendung bzw.als Dysbalance. Aber vielleicht ist das normal und ich muss dies akzeptieren.

9. Welchen Herausforderungen muss sich die Friseurbranche zukünftig stellen und wie können diese vielleicht gemeistert werden?

CL: Ich bin der Meinung, dass das Mittelfeld immer mehr wegbricht. In Zukunft wird es hauptsächlich nur noch Hochpreisgeschäfte oder Billigläden geben. Man muss sich entscheiden: Masse zum Verzicht von Klasse oder qualitativ hochwertiges Arbeiten mit attraktiven Konditionen für die Mitarbeiter und einer Stammklientel als Voraussetzung. Die Läden im mittleren Preissegment werden weniger, da u.a. der Verwaltungsaufwand (Lohnkosten) für Unternehmer stetig steigen.
Wünschenswert wäre, die Friseurunternehmen in ihren kaufmännischen und unternehmerischen Belangen besser zu unterstützen, so dass das Ganze nicht in Selbstausbeutung oder Liebhaberei mündet.

Es wird immer schwieriger Personal für diesen Beruf zu finden, solange es noch nicht die allgemeine Anerkennung in der Gesellschaft gibt, was ich derzeit als das Größte Problem sehe und sehr schade finde. Obwohl ich das von meinen Kunden nicht behaupten kann, ist es immer noch eine weitverbreitete Meinung, dass der Friseurberuf ein Looserberuf ist. Ich versuche mit aller Kraft dagegenzuhalten.

Ich liebe meinen Beruf auch nach 26 Jahren immer noch sehr und sehe jeden Tag seinen neuen Herausforderungen gespannt entgegen. Manchmal weiß ich nicht wo ich meinen Optimismus her nehme.

10. Und zum Abschluss noch noch eine Anekdote: Was war bisher das Schönste/Aufregendste/Bemerkenswerteste, das Dir im Friseurberuf passiert ist?

CL: Darüber könnte ich ein Buch schreiben. Grundsätzlich passieren jeden Tag im Umgang mit Menschen schöne Dinge. Ich freue mich regelmäßig mit meinen Kunden und Mitarbeitern über unsere geleistete Arbeit. Wir machen Menschen glücklich. Ich freue mich darüber, zu sehen, dass ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Weg bringe, sie fachlich weiterbringe, Ihnen ein Stück Berufs- und Lebendserfahrung  vermittele – auch wenn diese uns dann wieder verlassen, um sich selbständig zu machen, die Stadt oder den Beruf wechseln oder was auch immer.

Ich hatte eine sehr gute aber auch harte Ausbildung und wurde geschult, das Lebenswerk meiner Meisterin zu übernehmen und habe damals abgelehnt. Die persönliche Enttäuschung war sehr groß. Ich bin nach Berlin gegangen. Nichtsdestotrotz hat mir meine ehemalige Chefin mit einem Privatdarlehen meine Selbständigkeit in Berlin ermöglicht, weil sie an mich geglaubt hat. Das find ich nach wie vor ganz groß!

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